Junior
wiki
Schülerportal für Wissen und Bildung

Juniorwiki:Essay zu Juniorwiki

Aus Juniorwiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Inhaltsverzeichnis

Die wichtigsten intellektuellen Bezugsfiguren, auf die sich Juniorwiki beruft, sind Aristoteles, Adam Smith und Georg Simmel. Sie stellen selbstverständlich keine Bezugsfiguren im Sinne geistiger Ahnherren dar – wie könnten sie das auch. Aber die von ihnen erarbeiteten zentralen ethischen Theoreme bilden doch die Basis, von der aus sich Juniorwiki intellektuell rechtfertigen und damit zugleich näher charakterisieren lässt. Diese Idee einer intellektuellen Ortsbestimmung von Juniorwiki findet sich im folgenden ausgeführt.

Georg Simmel oder: das Internet als sozial-virtuelle Vernetzungsform

Mit Georg Simmels soziologischen Überlegungen lässt sich daran erinnern, das Internet nicht primär von den durch es bereitgestellten Inhalten her zu verstehen, sondern es als eine bestimmte Form zu begreifen, wie Menschen sich austauschen und miteinander in Kontakt kommen, wie sie sich aufeinander beziehen und sich streiten oder einigen. Im Rahmen der sozialen Phänomenbereiche, auf die Simmel aufmerksam macht, erscheint das Internet demnach weniger als Institution und „Content“ denn als eine spezifische Form, wie Menschen sich vergesellschaften.

Um näher an die Spezifik genau dieser Vergesellschaftungsform heranzureichen und sie soziologisch weiter zu analysieren, müsste hier ein angemessenes Konzept der Virtualisierung entwickelt werden. Hier wäre insbesondere darauf einzugehen, inwiefern solche Virtualität eine eigenständige Interaktionsform darstellt, die sich nicht hinreichend als eine bestimmte Spielart von Anonymität begreifen lässt. Denn über das bloß Anonyme hinaus ergeben sich durch verschiedene Identitäten und Avatare Möglichkeiten, miteinander zu interagieren, die sich in keiner anderen Vergesellschaftungsform finden. Ein solches Konzept der Virtualität bliebe dann auch mit dem Begriff der Globalisierung zusammenzubringen.

Abgesehen von diesen soziologischen und sozialtheoretischen Andeutungen ist von diesen Überlegungen mit Blick auf Juniorwiki die Feststellung wichtig, dass sich die menschlichen Vergesellschaftungs- und Interaktionsformen erweitern, indem Menschen virtuell miteinander agieren können. Statt diese Virtualisierung nun – kulturkritisch – als Verlust persönlicherer, intimerer Beziehungen zu begreifen, stellt Juniorwiki den Versuch dar, umgekehrt die damit erworbenen Interaktionsformen zu kultivieren.

Mit dieser konstruktiven Wendung in die Kultivierung ist insbesondere die Idee verbunden, gegenseitiges Handeln bei aller Virtualität doch als ein verantwortungsvolles zu verstehen. Denn egal wie virtuell – d. h. wie irreal – solches Handeln auch sein mag, es untersteht doch weiterhin teils allgemeineren ethischen Verbindlichkeiten und Standards, teils gehen daraus ganz eigentümliche Verpflichtungen und Notwendigkeiten einher. Juniorwiki nimmt sich dieser Kultivierungsmaxime nun insofern an, als es die Ausbildung von Medienkompetenz unterstützt. So sollen besonders Kinder und Jugendliche durch die Übertragung von Mitgestaltungsmöglichkeiten dazu befähigt werden, auch virtuell verantwortlich und verantwortungsbewusst miteinander zu handeln.

Adam Smith oder: das Internet als medial-virtuelle Institution

Während sich mit Hilfe des Simmelschen Ansatzes eher die sozialtheoretische Komponente des Internets herausarbeiten lässt, kann mit Adam Smith stärker auf dessen innovations- und institutionentheoretische Bedeutung aufmerksam gemacht werden. Die zunächst zentrale Überlegung Smith's lautet, dass sich in der Moderne die Mittel gegenüber ihren Zwecken verselbständigen und als eigene Zwecke etablieren. Bezogen auf das Internet heißt das, dass es sich von einem zu Beginn als besonders effizient eingesetzten Kommunikationsmittel – Nachrichten und Mitteilungen via Email verschicken zu können – zu einem selbständigen Medium entwickelt und sich als Institution etabliert.

Diese Bewegung einer Verselbständigung des Internets gegenüber seiner bloßen Mittelsignatur ist in mehreren Hinsichten mit Händen zu greifen. So lassen sich etwa viele im Internet eingestellte Inhalte gar nicht mehr als Informationsmittel begreifen; sie wollen vielmehr als Präsentationen, Selbstdarstellungen und individuell-künstlerischer Ausdruck verstanden werden. Zudem entwickeln sich durch das von der hyperschnellen Informationsübermittlung vorgegebene Tempo sowie wegen der von der virtuellen Übertragungsform erlaubten Überräumlichkeit veränderte und neue Handlungsmöglichkeiten. Diese Handlungsmöglichkeiten greifen dann nach zwei Seiten aus. Zum einen entsteht das Bedürfnis, das Internet zu nutzen: sei es, andere sofort zu erreichen und Informationen sofort zur Verfügung zu haben, sei es, mit anderen über weite Entfernungen zu kommunizieren und mit ihnen Handel zu treiben. In diesem Sinne modifiziert das Internet die menschliche Bedürfnisstruktur. Zum andern werden jene Handlungsmöglichkeiten als Ansprüche artikuliert, etwa als Recht auf sofortige Information, um überhaupt handlungsfähig zu sein, oder als Recht auf eine nur der persönlichen Entscheidung unterstellte Kontaktmöglichkeit.

Als selbständiges Medium verstetigt das Internet diese veränderten Handlungsmöglichkeiten, die auf individueller Ebene als Bedürfnisse und Ansprüche artikuliert werden. Neben diesem innovativen Charakter des Internets zeigt sich Adam Smith dann auch als Institutionentheoretiker. Denn sofern das Internet diese Handlungsmöglichkeiten zunächst für sich verstetigt, ist insbesondere die rechtlich-politische Sphäre herausgefordert, den veränderten Handlungsmöglichkeiten Rechnung zu tragen: durch eigene Institutionen, die jenes Handeln kodifizieren sowie sanktionieren.

Nicht auf rechtlich-politischer, aber auf kulturell-virtueller Ebene versucht nun auch Juniorwiki, den veränderten Handlungsmöglichkeiten gerecht zu werden, und zwar unter dem Zeichen eines altersgemäßen Handelns und Austauschs. Indem Juniorwiki eine Plattform von Schülern für Schüler bietet, wird Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit eröffnet, an den veränderten Handlungsmöglichkeiten teilzuhaben und dabei zugleich die Kompetenz dazu zu erwerben. Statt jedoch dieses Lernen von Medienkompetenz in einem völlig inhaltsleeren Raum stattfinden zu lassen, verbindet Juniorwiki solches Lernen von Anfang an mit bestimmten Inhalten, nämlich schulischen Themen.

Aristoteles oder: das Internet als ethisch-virtuelle Befähigung

Den für Juniorwiki fruchtbarsten Gedanken aber hat Aristoteles formuliert, nämlich den der Autarkie, also der Selbstherrschaft. Diese Überlegung erlaubt es, Juniorwiki sowohl ethisch als auch politisch zu rechtfertigen. Nach Aristoteles besteht eine autarke Gemeinschaft dort, wo die Mitglieder der Gemeinschaft durch die Gemeinschaft befähigt werden, am auf Glückseligkeit ausgerichteten Leben der Gemeinschaft teilzuhaben, teilzunehmen und die Gemeinschaft damit zugleich mitzugestalten. Juniorwiki nimmt sich dieser ethischen Zielsetzung an, indem es Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit bietet, ihre eigenen Formen des Miteinander zu entwickeln und zu kultivieren.

Neben dieser ethischen Orientierung geht aus dem Gedanken der Autarkie auch eine politische Leitlinie hervor. Statt eine hierachische Ordnung vorzugeben, versucht Juniorwiki, auf das Prinzip der Kommunalität zu setzen. Diese Nebenordnung – anstelle einer Über- und Vorordnung – schlägt sich in mehreren Hinsichten nieder.

  • Was die technisch-organisatorische Seite betrifft, so werden Altersgruppen unterschieden, die einander gleichgestellt sind. Technisch-kompetenzmäßig wird entsprechend Verantwortung an jede einzelne dieser Gruppen in gleicher Weise übergeben.
  • Was daneben die Inhalte von Juniorwiki angeht, so zeigt sich auch hier das Prinzip der Kommunalität in doppelter Weise. So wird zum einen wissensorganisatorisch nicht ein einzelnes Master-Wissen als das allein verbindliche ausgezeichnet, sondern es werden von Anfang an angemessene Wissens- und Vermittlungsformen angestrebt. Zum andern wird mit Blick auf die Befähigung zum Wissen nicht eine strikte Vorgabe gemacht, worin dieses Wissen besteht, sondern es sind alle eingeladen, sich kooperativ an der Entstehung und Pflege des Wissens zu beteiligen.

Summe oder: Juniorwiki als Beteiligung von Kindern und Jugendlichen an einem sachbezogenen sozial-virtuellen Austausch miteinander

Diese drei Denker: Georg Simmel, Adam Smith und Aristoteles, sind Gewährsleute für die intellektuelle Legitimation von Juniorwiki. Juniorwiki stellt in diesem Sinne Kindern und Jugendlichen eine sie beteiligende Wissensplattform bereit, die ihnen ermöglicht, sich inhaltlich in die Gestaltung und Pflege des Wissens einzubringen, an Hand der veränderten Handlungsmöglichkeiten Medienkompetenz in Verbindung mit Wissen zu erwerben sowie sozial-virtuell miteinander zu handeln und sich in gegenseitig fruchtbarer Weise auszutauschen.

Meine Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen